Reflexionen über Hölderlin

War Hölderlin ein Esoteriker? Jein. Auf der einen Seite hat er lange Zeit an Kant (namentlich am kategorischen Imperativ und an der Metaphysik der Sitten) festgehalten, während auch Spinoza und Fichte von wesentlicher Bedeutung waren. Auf der anderen Seite gibt es in seinem Werk unverkennbare Spuren der Gnosis und religiöser Systeme, die den Gnostizismus berühren. Metaphern wie "das dunkle Licht", die "umherirrende Rebe ohne Stab" oder die "blutenden Fittiche" sind nachweisbar Texten der Gnosis entnommen worden. Der gnostische Lehrer Manes (auch Mani genannt) tritt in seinem Drama "Der Tod des Empedokles" auf. In der Hymne "Andenken" berichtet der Dichter in verschlüsselter Weise über seine Erfahrungen während des manichäischen Bema-Festes in Bordeaux. Weitere Beispiele werden in meinem Buch "Het duistere Licht" (NL für "Das dunkle Licht") genannt. Neue Quellen werden angegeben und neue Argumente vorgebracht. Ich erörtere, wo Hölderlin diese Texte gefunden haben mag und warum es im achtzehnten Jahrhundert im deutschen Sprachraum (besonders in Tübingen) ein reges wissenschaftliches Interesse an den gnostischen Systemen gab.

Im Drama "Der Tod des Empedokles" zerschellt in der dritten Fassung Kants kategorischer Imperativ am Manichäismus. Oder anders rum. Der Leser steht verzweifelt da. Leider hat so mancher Germanist die Figur Manes falsch interpretiert oder gar nicht interpretiert, weil man mit ihr nichts anfangen konnte.

Dazu kommt, dass viele es nicht wahr haben wollen, dass Hölderlin an zeitgenössischen Esoterikern interessiert war. Ein etwa zwanzig Jahre älterer Zeitgenosse, der, wie Goethe, Klopstock, Pestalozzi, u.a. , Mitglied der Illuminati war, hat ihn beeinflusst. Der Name Adamas (er war der spirituelle Lehrer von Hyperion im gleichnamigen Briefroman) ist wahrscheinlich ein Anagramm von Samada, dem Lehrer in einem esoterischen Roman von Hölderlins oben erwähntem Zeitgenossen, dessen Namen ich im Moment nicht verraten möchte.

Ist mein Buch, das ich momentan ins Deutsche übersetze, ein esoterisches Buch? Nein. Wer über Brandstifter schreibt, muss nicht ein Brandstifter sein (Frisch war kein Brandstifter, nicht mal ein Biedermann). Es ist wahr, dass ich Themen behandle, die die Esoterie berühren. Aber das ist unvermeidlich, wenn man Hölderlin ehrlich und objektiv studiert. Hölderlin war neben Philosoph, Theologe und Dichter auch Esoteriker.

Zwischen 1795 und 1803 hat er über die Gnosis reflektiert und einen wahnsinnigen Streit mit Schiller geführt. Davon handelt der letzte Teil von meinem Buch, das m. E. einen ganz neuen Blick auf Hölderlin bietet, einen Hölderlin, den viele nicht erkannt haben. Hölderlin nannte sich "Dädalus' Geist" . Damit ist nicht der Schreinermeister Zimmer gemeint; das hat der Dichter Mörike nicht richtig gesehen. Auch auf solche Punkte gehe ich in meinem Buch ein.

Ich suche einen Verleger in Deutschland oder Österreich. Sollten Sie an meinem Buchprojekt interessiert sein, kontaktieren Sie mich bitte per Email: hleerink@planet.nl

               

In den Niederlanden ist das Buch 2017 in die Königliche Bibliothek aufgenommen worden. ISBN  978-90-813445-3-1

Wer Niederländisch lesen kann, findet es im Hölderlin-Archiv der Württembergischen Landesbibliothek.

Umschlag: "Blue Red Yellow" von Dr. Stefan Könemann (Hannover). Stefan hat es wohl nicht so gemeint, aber mich erinnnert die Illustration an den gefangenen Lichtfunken, an das "gefangene Element" im "Kerker, der uns umnachtet" (Zitate von Hölderlin)